Slash – Nepal
Autonomie und Unabhängigkeit von Überlebenden von Säureangriffen und schweren Verbrennungen.
Wenn Gewalt Narben hinterlässt, die die Gesellschaft nicht sehen will. Säureangriffe und Fälle schwerer Verbrennungen nehmen in Nepal zu, und Frauen sind am häufigsten betroffen. Diese Angriffe stehen häufig im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt, Konflikten im Zusammenhang mit Mitgiftforderungen und tief verwurzelten geschlechtsspezifischen Machtungleichgewichten.
Die Überlebenden leben mit lebenslangen Folgen: Schmerzen, wiederholten medizinischen Eingriffen, Traumata, Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung. Viele verlieren ihre Einkommensgrundlage, den Zugang zu Bildung, ihre sozialen Beziehungen und sogar ihren Platz innerhalb ihrer Gemeinschaft. Gleichzeitig ist die spezialisierte Versorgung von Verbrennungsopfern auf eine begrenzte Zahl von Krankenhäusern beschränkt, und der rechtliche Schutz bleibt lückenhaft. Nepal verfügt noch immer nicht über ein klares, an den Bedürfnissen der Überlebenden orientiertes Gesetz, das Gerechtigkeit, Behandlung, Rehabilitation und Entschädigung für Opfer von Säureangriffen und schweren Verbrennungen gewährleistet.
Hier setzt SLASH an.
Das Projekt
Wo: Kathmandutal, Janakpurdham (Madhesh), Nepalgunj (Lumbini)
Aktiv seit: mehr als 5 Jahren (laufend)
Schwerpunkt: überlebendenorientierter Schutz, Genesung, Wiedereingliederung und gesellschaftlicher Wandel
Unterstützt durch: institutionelle und private Geldgeber — darunter Partner wie die Sustainable Future Foundation
Was SLASH leistet
SLASH ist das langfristig angelegte Programm von ActionAid, das Überlebende in den Mittelpunkt stellt und Frauen sowie Mädchen dabei unterstützt, nicht nur ihr Leben neu aufzubauen, sondern auch zu Gestalterinnen des Wandels zu werden.
Im Laufe der Jahre ist SLASH dank des Engagements der Überlebenden selbst sowie der Unterstützung institutioneller und privater Geldgeber gewachsen, darunter auch Beiträge der Sustainable Future Foundation. Diese Unterstützung hat dazu beigetragen, ein Modell aufrechtzuerhalten, das direkte Hilfsangebote mit langfristigem strukturellem Wandel verbindet.
Überlebende brauchen mehr als nur Notfallversorgung. Die Genesung erfordert häufig langwierige und kostspielige Behandlungen sowie eine kontinuierliche psychosoziale Begleitung. Wir bieten:
- medizinische Notfallversorgung und chirurgische Eingriffe, wenn nötig
- Physiotherapie und Rehabilitation
- psychosoziale Unterstützung für Überlebende und — sofern angemessen — auch für Angehörige
- sichere Räume, in denen Überlebende wieder Vertrauen fassen und sich erneut sicher fühlen können
Gewalt zerstört häufig die Fähigkeit vieler Überlebender, ihren Lebensunterhalt zu sichern. SLASH unterstützt Überlebende dabei, ihre Lebensgrundlage durch praktische Fähigkeiten und Startunterstützung wieder aufzubauen. Wir bieten:
- berufliche Qualifizierungsmaßnahmen (z. B. Seifenherstellung, Kunsthandwerk aus Naturfasern, Schmuckherstellung und Häkeln)
- unternehmerisches Mentoring und Startunterstützung zum Aufbau oder zur Stärkung kleiner einkommensschaffender Aktivitäten
- Zugang zu Märkten und Plattformen, die ein würdevolles Einkommen ermöglichen
- ein wichtiger Meilenstein war die Entwicklung von „INARA by Astitwa“, einer von Überlebenden geführten Verkaufsstelle, in der Produkte verkauft werden, die von den Überlebenden selbst hergestellt werden, und die so zu mehr Sichtbarkeit, Einkommen und Selbstvertrauen beiträgt
Überlebende werden allzu oft beschuldigt, zum Schweigen gebracht oder ignoriert. SLASH arbeitet mit Gemeinschaften und Institutionen zusammen, damit Überlebende Unterstützung erfahren, statt stigmatisiert zu werden. Wir bieten:
- Informations- und Sensibilisierungsveranstaltungen mit jungen Menschen und Gemeinschaften zu Geschlechtergerechtigkeit, Sexualität, der Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt und den Rechten von Überlebenden
- Radioprogramme und Botschaften in lokalen Sprachen, die Überlebenden eine Stimme geben und praktische Informationen vermitteln (einschließlich Hinweisen zu Erster Hilfe)
- Schulungen und Dialogformate mit Polizei, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Justiz und Rechtswesen, um überlebendenzentrierte und traumasensible Ansätze zu fördern
- Erfassung und Stärkung der Unterstützungs- und Verweisstrukturen zwischen Schutz-, Gesundheits- und Justizdiensten
- Unterstützung für Überlebende beim Zugang zu staatlichen Unterstützungsangeboten (einschließlich Informationen zu verfügbaren Fonds und Verfahren)
Bisher erzielte Ergebnisse
SLASH ist zu einer anerkannten Anlaufstelle für Überlebende, Familien und Gemeinschaften geworden — sowohl im Bereich der Prävention als auch der Unterstützung Betroffener. Die kontinuierliche Unterstützung institutioneller und privater Geldgeber hat es dem Programm ermöglicht, eine kontinuierliche Präsenz aufrechtzuerhalten, auf dringende Bedürfnisse zu reagieren und die aktive Beteiligung der Überlebenden innerhalb bestehender Strukturen zu stärken.
Zwischen Mai 2025 und Februar 2026
- 37 Informations– und Aufklärungsveranstaltungen in drei Regionen durchgeführt
- 1.460 Mitglieder der Gemeinschaften und Studierende mit Informationen zur Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt, zu den Rechten von Überlebenden sowie zu Säureangriffen und schweren Verbrennungen erreicht
- 49 Überlebende unterstützt — durch medizinische, psychosoziale und rehabilitative Hilfe sowie Unterstützung beim Wiederaufbau ihrer Lebensgrundlage, mit dem langfristigen Ziel, insgesamt 150 Überlebende zu unterstützen
- 14 Angehörige in Unterstützungsangebote einbezogen
- 55 Vertreterinnen und Vertreter aus Behörden und Privatwirtschaft durch Koordinierungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen eingebunden
Ein zentrales Ergebnis war die Stärkung der Netzwerke von Überlebenden in allen drei Regionen — durch regelmäßige Treffen, gegenseitige Unterstützung und die Benennung von Ansprechpartnerinnen unter den Überlebenden.
Im Oktober 2025 organisierte SLASH eine dreitägige Schulung zur Entwicklung von Führungskompetenzen für 15 Überlebende und 2 Angehörige. Im Mittelpunkt standen Kommunikation, Interessenvertretung, Selbstvertrauen und Netzwerkarbeit, um die Überlebenden dabei zu unterstützen, die Interessen anderer Überlebender zu vertreten und mit relevanten Akteurinnen und Akteuren in den Dialog zu treten.
Erste Veränderungen werden sichtbar
Im Dezember 2025 kamen bei Informations- und Sensibilisierungsveranstaltungen für zentrale gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure in Nepalgunj und Kathmandu 36 Teilnehmende zusammen — darunter Fachleute aus dem juristischen Bereich, Vertreterinnen und Vertreter der Polizei, Medienschaffende, zivilgesellschaftliche Organisationen sowie eine Überlebende. Gemeinsam wurden konkrete Empfehlungen entwickelt, um eine stärker an den Bedürfnissen von Überlebenden orientierte Justiz zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stellen zu verbessern.
Auch die wirtschaftliche Reintegration zeigt konkrete Fortschritte. Im Berichtszeitraum erhielten Überlebende Schulungen, Mentoring und Startunterstützung für Tätigkeiten wie kleine Ladengeschäfte, Seifenherstellung, Pilzzucht und Tierhaltung. Begleitende Nachbesuche bestätigten die erzielten Fortschritte sowie erste eigene Einkünfte.
Was wir aktuell tun
SLASH baut seine Arbeit weiter aus und passt sie fortlaufend an — auch unter schwierigen Rahmenbedingungen.
- regelmäßige Treffen von Überlebenden sowie sichere Räume für gegenseitige Unterstützung
- kontinuierliche medizinische und psychosoziale Unterstützung an allen drei Standorten
- gezielte Schulungen und begleitende Unterstützung zu Einkommensmöglichkeiten für Personen, die Startunterstützung erhalten haben
- Beratungsgespräche mit lokalen Behörden, um Überlebenden den Zugang zu staatlichen Unterstützungsangeboten zu erleichtern (einschließlich des Fonds zur Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt)
Wenn Proteste oder Feste öffentliche Treffen verhinderten, passte das Programm seine Arbeit entsprechend an — durch Treffen in kleinen Gruppen, sorgfältig abgestimmte Schutzmaßnahmen und eine flexible Planung, die sich an den jeweiligen Bedingungen orientierte. Dabei standen die Sicherheit der Überlebenden und die kontinuierliche Unterstützung jederzeit im Mittelpunkt.
Warum das wichtig ist
Säureangriffe und schwere Verbrennungen zielen darauf ab, das Leben einer Frau zu zerstören — ihren Körper, ihr Selbstvertrauen und ihre Zukunft. SLASH unterstützt Frauen dabei, all dies wieder aufzubauen — und darüber hinaus neue Perspektiven zu schaffen.
Es geht darum, sicherzustellen, dass Überlebende genesen können.
Es geht darum, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu ermöglichen.
Und es geht darum, Überlebende darin zu stärken, selbst gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten, damit andere Frauen und Mädchen geschützt, unterstützt und ernst genommen werden.