Abdia kämpft gegen FGM
Der Mut, eine Gemeinschaft zu verändern
Im Isiolo County in Kenia lebt Abdia Gaudi. Sie ist 45 Jahre alt, alleinerziehende Mutter von vier Kindern und eine Überlebende der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM). Sie erzählt uns:
„Ich war sechs Jahre alt, als ich diese Praxis erleiden musste. Damals hatte mir niemand erklärt, worum es sich dabei wirklich handelt. In meiner Gemeinschaft hielt man es für etwas ganz Normales, etwas, das jedes Mädchen durchstehen musste. Wir waren drei Schwestern, und wir wurden alle gemeinsam dorthin gebracht. Mein Vater war dagegen, denn er hatte Angst, dass uns etwas Schlimmes passieren könnte. Meine Mutter jedoch meinte, dass es eine Schande wäre, wenn ein Mädchen sich diesem Brauch nicht unterziehen würde. Und so geschah es.”
Viele Jahre später lernte Abdia dank einer Freundin ActionAid kennen. Sie entschied sich, an Aufklärungsveranstaltungen über die Folgen weiblicher Genitalverstümmelung teilzunehmen, und begann zum ersten Mal zu hinterfragen, ob das, was sie und ihre Schwestern erlebt hatten, wirklich richtig gewesen war.
„Nachdem ich neue Erkenntnisse gewonnen hatte, verspürte ich das Bedürfnis, in meiner Familie darüber zu sprechen. Mein Bruder reagierte zunächst wütend, doch dann hat er mir zugehört. Ich erklärte ihm, dass FGM nichts mit Religion zu tun hat und eine schädliche Tradition ist. Heute hat er selbst drei Töchter und keine von ihnen hat eine weibliche Genitalverstümmelung erleiden müssen.”
Eine Veränderung für die gesamte Gemeinschaft
„Am Anfang fiel es mir nicht leicht, mich öffentlich zu äußern. Als Frau wurde mir oft gesagt, ich solle schweigen. Aber dank der Unterstützung von ActionAid habe ich den Mut gefunden, weiterzumachen.”
Heute ist Abdia eine anerkannte Führungspersönlichkeit in ihrer Gemeinschaft. Sie spricht mit Familien, Jugendlichen und lokalen Führungspersonen über die Folgen der FGM, weil sie weiß, dass diese Praxis schwere Blutungen, Infektionen, Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt und in manchen Fällen sogar den Tod verursachen kann.
„Früher waren nahezu alle Mädchen in der Gemeinschaft von diesem Brauch betroffen. Heute entscheiden sich immer mehr Familien dafür, ihre Töchter zu schützen. Eine konkrete Veränderung, die gemeinschaftlich entstanden ist.
Mein Traum ist es, dass weibliche Genitalverstümmelung eines Tages vollständig der Vergangenheit angehören wird. Mir ist bewusst, dass dies auch von der Bildung und der Einbeziehung von Frauen und Männern abhängig ist. Heute weiß ich, dass das, was ich erlebt habe, kein Schicksal war. Und ich weiß, dass wir gemeinsam andere Mädchen schützen können.“