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Menstruationshygiene ist ein Grundrecht und kein Privileg!

Vom Symptom der normalen Weiblichkeit zur Quelle der Diskriminierung.

Die Menstruationshygiene als Schlüssel zur Gewährleistung der Gleichstellung der Geschlechter.

Die Menstruationshygiene begleitet Frauen für den größten Teil ihres Lebens. Für einige stellt sie ein Synonym für "normale" Weiblichkeit dar, für viele andere dagegen ist sie die Quelle gewöhnlicher Ungleichheiten und Diskriminierungen. Anlässlich des Welttages der Menstruationshygiene am vergangenen 28. Mai ist eine Reflexion über dieses Thema unbedingt erforderlich.

Für die meisten Frauen in den sogenannten "entwickelten" Ländern ist der Menstruationszyklus lediglich ein regelmäßiger monatlicher Termin, für den es ausreicht, in die Apotheke oder in den Supermarkt zu gehen, um Damenbinden, Tampons oder Menstruationstassen zu kaufen. Diese Gegenstände gehören zum Alltag, sie sind keine Luxusgüter.

Für viele Frauen auf der ganzen Welt wird der Zugriff auf diese Hilfsmittel jedoch aus verschiedenen Gründen verweigert. Dieser eingeschränkte Zugriff führt zu einer Reihe von Konsequenzen, die das Leben und die Entscheidungen von Millionen von Frauen bestimmen.

GEWÖHNLICHE DISKRIMINIERUNGEN

In Malawi beispielsweise kann der Preis einer Packung Damenbinden höher sein als der Tageslohn einer Arbeiterin.  Wenn man dabei einmal die Rechnung anstellt, dass die Mehrheit der Frauen zwei Packungen pro Menstruationszyklus benötigt, bedeutet dies, dass sie den Lohn von zwei Arbeitstagen pro Monat für Damenbinden investieren müssen. In Kenia kostet eine Packung mit acht Binden ungefähr 1 US-Dollar, wobei die Hälfte der Bevölkerung von weniger als einem Dollar pro Tag lebt.  Offensichtlich sind sehr viele Frauen gezwungen, eine Wahl zu treffen, mit der keine (junge) Frau konfrontiert werden sollte:  entscheiden, ob man eher essen oder auf die Menstruationshygiene achten sollte.

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EINE VERÄNDERUNG IST MÖGLICH

ActionAid ist davon überzeugt, dass, wenn man an einer Veränderung teilhaben möchte, es wichtig ist, sich dieser Art von Diskriminierungen sowie deren Folgen bewusst zu werden. Das Risiko, sich schmutzig zu machen und in "peinliche" Situationen zu geraten, bringt Frauen und Mädchen dazu, während der Zyklustage nicht zur Arbeit und auch nicht zur Schule zu gehen, was sich negativ auf deren Karriere oder die schulischen Leistungen auswirkt. Und nicht nur das, denn langfristig gesehen kann dieses Phänomen zum vorzeitigen Verzicht auf Studien, zu Schwangerschaften in sehr jungen Jahren, zum Phänomen der Kinderbräute sowie zu einem erhöhten Risiko für sexuelle Gewalt führen. Infolge dieser Ereignisse haben junge Frauen zwangsläufig weniger Chancen, wirtschaftlich unabhängig zu werden.

Darüber hinaus sind Frauen und Mädchen gezwungen, auf zerrissene alte Kleidung und Lumpen zurückzugreifen, um Hilfsmittel für die Intimhygiene zu improvisieren, die unpraktisch und unwirksam sind, und im Widerspruch zu den grundlegenden Hygienestandards stehen.

Dieses grundlegende Problem findet leider nicht genügend Gehör, was auch daran liegt, dass Frauen eine deutlich geringere wirtschaftliche, soziale und politische Macht haben als Männer. Dies führt zu einer geringen Sensibilisierung des Problems, welches, wenn es nicht selbst gelebt wird, in den Hintergrund tritt.

VON DER HERAUSFORDERUNG ZUR CHANCE

Für die Menstruationshygiene zu kämpfen, bedeutet letztendlich nicht nur, Frauen vor Verschmutzungen, Makeln und Verlegenheiten zu schützen (obwohl auch das wichtig ist), sondern es ist vor allem ein Schlüsselfaktor, wenn man eine echte Gleichstellung der Geschlechter gewährleisten will.

ActionAid leistet starke Aufklärungsarbeit in Ländern, in denen dieses Phänomen als gravierend resultiert. Ziel ist ein verstärktes Bewusstsein der gesamten Gemeinschaft hinsichtlich des Themas der Frauenrechte, als wesentliche Quelle für eine nachhaltige und dauerhafte Entwicklung. Um diesen Trend umzukehren, hat ActionAid die Konstruktion von "Safe Rooms” vorgesehen, d.h. von Räumen, die ausschließlich den Mädchen innerhalb der Schulgebäude gewidmet und mit Badezimmern und nützlichen Hilfsmitteln ausgestattet sind, um die Menstruationshygiene einer jeden jungen Frau zu gewährleisten.

Erfahren Sie mehr darüber, wie sich der Zyklus auf das Leben von Millionen von Frauen auswirkt, und sehen Sie sich den Film “Cycle of Progress” an, der mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm 2019 ausgezeichnet wurde. Dieser kurze Dokumentarfilm zeigt gleichzeitig die Schwierigkeiten, mit denen Frauen während des Menstruationszyklus konfrontiert sind, sowie die Geschichte der Rebellion einer Gruppe junger Frauen, die aus einer Schwierigkeit einen Antrieb für nicht nur wirtschaftliches sondern auch persönliches Wachstum gemacht haben.