In Malhada, auf dem Land bei Campo Alegre in Brasilien, bauen Geisa und ihre Mutter Joana Obst und Gemüse an, kümmern sich um ihre Tiere und sichern mit einem agrarökologischen Gemüsegarten den Lebensunterhalt ihrer Familie. Jahrelang blieb diese tägliche Arbeit jedoch nahezu unsichtbar – so wie es bei vielen Frauen in ländlichen Regionen der Fall ist. Sie sorgen für Nahrung, kümmern sich um ihre Familien und organisieren den Alltag, doch all das findet nur selten die Anerkennung, die es verdient.

ActionAid ist seit dem Jahr 2000 im Land tätig und arbeitet unter anderem mit SASOP (Service for Assistance to Rural Popular Organizations) zusammen. Die Organisation unterstützt ländliche Familien mit technischer Beratung, Schulungen und praxisnahen Hilfsangeboten, um die Agrarökologie, die Ernährungssicherheit und die Rolle der Frauen zu stärken. Um die Frauen bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen, wurden die Agroecological Notebooks eingeführt – Hefte, mit denen sich auf einfache Weise dokumentieren lässt, was angebaut, verbraucht, getauscht und verschenkt wird. Ein konkreter Weg, die Arbeit der Frauen und ihren Beitrag für Familie und Gemeinschaft sichtbar zu machen.

Geisa nahm bereits im Alter von fünf Jahren an den Aktivitäten von ActionAid und SASOP teil. Heute ist sie 15 Jahre alt und nimmt ihre Gemeinschaft ganz anders wahr. Sie hat an Workshops zu gesunder Ernährung, Umweltschutz, häuslicher Arbeit, Geschlechtergerechtigkeit und weiteren Formen von Ungleichheit teilgenommen – Themen, die in Schule und Familie oft keinen Platz finden. „Am besten haben mir die Workshops zum Thema häusliche Arbeit gefallen“, erzählt sie. „Das ist ein Thema, über das in den Familien viel öfter gesprochen werden sollte. Denn es gibt immer noch viele Vorurteile. Vor allem bei den Männern.“

Für ihre Mutter Joana (49) nahm der Wandel auch auf dem Feld seinen Anfang. Dank der Schulungen, der technischen Beratung und der Agroecological Notebooks hat sie damit begonnen, ihre tägliche Arbeit mit anderen Augen zu sehen. Sie hat gelernt, ihre Erzeugnisse systematisch zu erfassen, besser nachzuvollziehen, was tatsächlich auf den Tisch kommt, und ihre Arbeit als eine wertvolle Ressource anzusehen, und nicht als etwas Nebensächliches. „Früher war die Situation schwierig. Viele wussten nicht, dass das Abbrennen der Felder auch die Fruchtbarkeit des Bodens zerstört. Über gesunde Ernährung wurde kaum gesprochen, und zur Bekämpfung von Parasiten wurden schädliche Mittel eingesetzt.“

Heute dagegen hat sich ihr Verhältnis zur Natur verändert.  Es ist bewusster, nachhaltiger und verantwortungsvoller geworden. Und mit ihr hat sich auch Joanas Leben verändert. „Nach dieser Erfahrung fühle ich mich wie ein anderer Mensch. Mein Selbstwertgefühl ist gestiegen. Ich muss nicht mehr darauf warten, dass mein Mann seinen Lohn nach Hause bringt, um das kaufen zu können, was meine Kinder und ich benötigen.“

Die Geschichte von Geisa und Joana zeigt, was möglich wird, wenn Frauen Zugang zu Wissen, geeigneten Hilfsmitteln und Möglichkeiten zur Mitgestaltung erhalten. Ihre Arbeit wird sichtbar, das Land wird mit mehr Sorgfalt bewirtschaftet und die Familien gewinnen an Sicherheit, Gesundheit und Selbstständigkeit.

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Photocredits: Romario Amancio de Souza